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Gottvater und Eva

Liebe Freundinnen und Freunde der modernen allegorischen Zeichenkunst!

Gottvater haucht Eva das Leben ein.

Gottvater hauch Eva das Leben ein
Original, 160 x 300 mm (in Privatbesitz)

So heißt mein Bild in Abwandlung des berühmten Deckengemäldes von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle in Rom, auf welchem als erster Mensch Adam vom Göttlichen erschaffen wird.

Warum ist diesmal Eva die erste?
Ich finde es passend, denn schließlich steht Eva für das Werden, welches das Leben hervorbringt und diese Schöpfung erst möglich macht.
Adam, als Symbol für das Männliche, steht für Statik, die der Dynamik bedarf, um etwas zu erzeugen.
Sein und Werden, Statik und Dynamik, sind zwar Gegensätze, bilden jedoch die Vorder- und Rückseite einer Sache, sie sind im Grunde eins.
Das Männliche und das Weibliche sind Prinzipien, welche in jeder Gestaltung vorhanden sind. Mal überwiegt die eine Seite, mal die andere.

Die mystische Vereinigung von Sonne und Mond
Original (620 x 500 mm)

In der alten indischen Philosophie wird eine völlige geistige Harmonie beider Wesensteile angestrebt. Daher verehrt man als letzten Avatar* den zweigeschlechtlichen Kalki.

In der westlichen Philosophie spricht Cusanus (Nikolaus von Cues) im 15. Jahrhundert vom Zusammenfallen der Gegensätze als dem höchsten erfahrbaren geistigen Zustand, der Identität.

Wozu sind dann Gegensätze da? Ich nehme an, um sich auf wunderbare Weise ‚anders‘ erfahren zu können! Zum Spiel mit sich selbst mit einem Gegenüber, das einen herausfordert, sich neu zu betrachten und auf andere Art und Weise kennenzulernen.
Wie schön!

* Der Begriff ‚Avatar‘ stammt aus dem Sanskrit, der alten Kultursprache Indiens. Man versteht darunter eine neue Verkörperung des Göttlichen Wesens, welche die nächste Evolutionsstufe einläutet. Die heutigen digitalen ‚Avatare‘ haben nur das Wort entlehnt, aber mit der eigentlichen Bedeutung nichts mehr gemein.


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