Liebe Freundinnen und Freunde der modernen allegorischen Zeichenkunst!
Cernunnos, der keltische Gott der Natur, des Waldes, der wilden Tiere und der Fruchtbarkeit, trägt als Krone ein Hirschgeweih, welches die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert.
Das hochaufragende Geweih stößt in der Bilderwelt meiner Vorstellung bis an die Sterne, wo viele Tiere als Sternbilder zu finden sind.
Sie wurden von Göttern an den Himmel gesetzt, fast immer, um ihnen aus Dankbarkeit ein ewiges Leben zu geben.

Oben wie unten
Original, 250 x 165 mm (aus der neuen Serie ‚Die Magie der Evolution‘)
Tiere hatten immer schon eine mythische Bedeutung.
Man traf sie in Märchen und Sagen, sie trugen charakteristische Spitznamen (Reineke Fuchs, Meister Lampe…) und zeigten sich als zu überwindende Widersacher oder Beschützer der Menschen.
Mensch und Tier standen einander nahe, ihre Schicksale waren miteinander verwoben.
Ja, die gesamte Natur wurde inniglich erlebt; eine Entfremdung von ihr setzte erst mit der Industrialisierung (ab 1750) ein und gipfelt nun in der Digitalisierung, wie wir sie heute erleben.

Ich habe das Gefühl, dass wir uns einem Bewusstseinszustand, in welchem wir die gesamte Welt als ein lebendiges, bewusstes Ganzes wahrnehmen, wieder annähern sollten.
Um den verlorengegangenen, tiefen Bezug zur Natur wieder herzustellen, ist eine Kenntnis der alten Mythen äußerst hilfreich.
Wenn man z.B. Bäume, Tiere, Berge, Seen und Flüsse in seiner Vorstellung personifiziert, kann daraus eine achtsame Sensibilität im Umgang mit der Natur entstehen.
Wer vergiftet denn absichtlich oder aus purem Desinteresse seinen Vater? Die Vorstandsvorsitzenden der Chemie-Konzerne am Rhein bräuchten vielleicht mal ein Identitäts-Erlebnis, in dem sie sich eins mit ‚Vater Rhein‘ fühlen.

Im Harz bei Braunlage steht am Eingang zu einem Naturschutzgebiet auf einer Schautafel:
‚Unser modernes wissenschaftliches Weltbild ersetzt die alten Mythen nur teilweise. So beeinflussen sie neben allem Wissen über die Natur und ihre Zusammenhänge noch heute unsere Sensibilität für ihre Schönheit, ihre Kraft und ihre Verletzlichkeit.
Nur so gelangen wir zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihr, zu einem Miteinander von Mensch und Tier.‘
Jetzt bin ich richtig neugierig, diesen sogenannten ‚Naturmythenpfad‘ zu erkunden. Auf in den Harz!
Aber vorher setze ich unbedingt noch mein rotes Käppchen auf.

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