Liebe Freundinnen und Freunde der modernen allegorischen Zeichenkunst!
Warum haben Engel Flügel?
Sie haben Flügel, weil sie aus höheren, geistigen Sphären zu uns kommen, hauptsächlich, um wichtige Botschaften zu überbringen und die Ausführung göttlicher Befehle zu überwachen.
Engel tauchen im Judentum, Christentum und Islam als Diener und Boten des alttestamentarischen Gottes, der in allen drei Religionen derselbe ist, auf. Und da man sich Gottvater als Wesen, das hoch über den Wolken in für uns unerreichbaren Regionen wohnt, vorstellt, müssen sie große Distanzen überwinden, um auf der Erde erscheinen zu können.

Flügel und Vogelschau
Original, 250 x 165 mm (aus der neuen Serie ‚Die Magie der Evolution‘)
In der Antike, im griechisch-römischen Kulturkreis, gab es noch keine Engel. Allenfalls den Götterboten Hermes, der mit einem geflügelten Hut oder Helm und Flügelschuhen unterwegs war. Ansonsten übernahmen Vögel die Rolle der Boten aus höheren Sphären.
Die Alten Römer bedienten sich der Vogelschau (Auspicium, von: avis = Vogel und specere = schauen), um den Willen ihrer Götter zu erfahren.
Es gab spezielle Priester, die Auguren, welche vor jeder geplanten staatlichen Unternehmung die Vögel am Himmel genau beobachteten.
Aufgrund der Flughöhe, der Formation eines Schwarmes oder der Art der Vogelschreie, versuchten sie, eine göttliche Zustimmung oder Ablehnung für ein bestimmtes Vorhaben herauszulesen.
Obwohl die Römer als nüchtern und äußerst pragmatisch galten, wurde keine wichtige Entscheidung politischer Art ohne vorherige Auspizien getroffen!
Die Vogelschau war kein ‚Wahrsagen‘ im üblichen Sinne, sondern das Erfragen des göttlichen Willens in Bezug auf eine bestimmte, vom Menschen bereits geplante Unternehmung. Es ging nur um ein Ja oder ein Nein der Götter.

Bei den Germanen war es genau umgekehrt.
Der Göttervater Odin benutzte seine beiden Raben Hugin und Munin (Gedanke und Gedächtnis), um durch sie vom Treiben der Menschen zu erfahren und gegebenenfalls einschreiten zu können.
Geflügelte Wesen sind in vielen Kulturen Boten und Mittler zwischen verschiedenen Sphären und geistigen Bereichen.
Darüberhinaus haben diese Boten selbst auch einen Symbolgehalt. Ein Adler als Überbringer bedeutet etwas anderes als ein Rabe, eine Meise etwas anderes als ein Spatz.
Und da sind wir schon bei meinem Spezialgebiet: der Symbologie.
Wir sind alle von Symbolen umgeben und können lernen, diese vorsichtig, in einem gewissen (auch kulturellen) Kontext und auf unterschiedlichen Ebenen, zu deuten.
Es ist nicht so einfach, sich auf diese spezielle Sichtweise einzulassen, aber macht Freude und bereichert das Leben.
Ich selbst habe dadurch gelernt, bewusster meine Umgebung wahrzunehmen und zu gestalten.
Alles spricht zu mir, alles ist ein Symbol!
Zu diesem Thema veranstalte ich übrigens Seminare.
Das nächste findet Ende des Jahres in Berlin statt.
Ich werde rechtzeitig eine Einladung als Newsletter veröffentlichen. Vielleicht sehen wir uns da! Ich würde mich freuen.

